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Religionsgemeinschaften

Christengemeinschaft

Aus Geschichte und Lehre

Als der Erste Weltkrieg 1918 zu Ende ging, sah sich die Menschheit wie nie zuvor in der Geschichte in eine totale Ratlosigkeit gestrzt. Mit den ueren Zerstrungen ging der radikale Zusammenbruch aller Werte des Inneren einher. Die Aushhlung der abendlndischen Kultur und das Erlschen ihrer tragenden religisen Werte waren nach auen hin sichtbar geworden. Auf dem Grund der verzweifelten Seelen aber war eine tiefe Sehnsucht nach Gottesbegegnung und Gotteshilfe und Glaubenshoffnung.

In diese Aufbruchsstimmung fiel der Name Rudolf Steiner.

Hatte man frher von der kirchlichen Verkndung Auskunft ber die Himmelswelten erwartet, so trat jetzt die Anthroposophie - so nannte Rudolf Steiner die von ihm begrndete Geisteswissenschaft - an die Stelle der alten Theologie.

Unter der Fhrung des evangelischen Theologen Friedrich Rittelmeyer entwickelte sich seit 1922 die Bewegung fr religise Erneuerung. Eine neue Dimension christlicher Erfahrung erschlo sich den Menschen. Naturwissenschaftliches Denken und erkenntniskritische Philosophie sind die wesentlichen Faktoren der Religion der unter dem Namen Christengemeinschaft wirkenden Kirche, die sich, vom deutschen Sprachraum ausgehend, in andere Lnder und Kontinente ausbreitete, wo selbstndige Gemeinden entstanden.

Innerhalb der Priesterschaft besteht eine Gliederung nach mtern: Pfarrer, Lenker, Oberlenker; das hchste Amt trgt der Erzoberlenker, er hat seinen Sitz in Stuttgart.

Zum Wesen der Christengemeinschaft als freie Kirche gehren die politische und die wirtschaftliche Unabhngigkeit.

In den selbstndigen Gemeinden der Christengemeinschaft werden die sieben Sakramente zum unerschpflichen Quell der Strkung, des Trostes, des Ansporns und der Hilfe zur Lebensbewltigung:

- Die Menschen-Weihehandlung ist der zentrale Gottesdienst der Christengemeinschaft. Dieser ungewohnte Name will sagen, da das Mensch-Werden das wahre Ziel unseres Lebens ist. Nur in der aktiven Hinwendung zur gttlichen Welt wird der Mensch der Hilfe teilhaftig, der er auf dem Weg zu diesem Ziel bedarf.

- Die Taufe der Kinder.

- Die Konfirmation.

- Die Schicksalsberatung dient der Selbstverantwortlichkeit des Glubigen. Es gibt keinen Beichtzwang, wohl aber den Schutz der Verschwiegenheit.

- Die Trauung.

- Die Priesterweihe


Die Christengemeinschaft erschliet dem modernen Menschen ein reiches Feld religiser Erfahrungsmglichkeiten. Die Mitglieder genieen absolute Freiheit des Glaubens und der Erkenntnis. Es existiert keine spezielle Lehrmeinung und auch kein allgemeines, mit Autoritt ausgestattetes Lehramt. Die Inhalte des christlichen Glaubensbekenntnisses werden nicht als verbindliche Normen, sondern als Orientierungshilfen fr die eigene Gedankenarbeit und Urteilsbildung auf religisem Felde verstanden. Dem entspricht die Lehrfreiheit der Priester in der Christengemeinschaft.

Hinweise fr den Bestatter

1. Der Bekenner zum Glauben der Christengemeinschaft - Bewegung fr religise Erneuerung - wird als Mitglied der Christengemeinschaft bezeichnet;

eine adjektivische Form fr das Religionsbekenntnis besteht nicht.

2. Die Christengemeinschaft ist in sterreich als Kirche staatlich nicht anerkannt;

sie ist eine christliche Glaubensgemeinschaft (Denomination), die im theologischen Sinne als Kirche gilt.

3. An dem Verstorbenen wird keine rituelle Waschung vorgenommen.

Es ist keine besondere Kleidung vorgesehen.

Das Waschen, Ankleiden und Einsargen besorgen die Angehrigen oder in deren Auftrag die Bestattung.

Sargbeigaben, z. B. ein Handkreuz, sind im allgemeinen nicht blich.

4. Die Herstellung der Parte unterliegt keinen Empfehlungen der Christengemeinschaft.

Zur Beachtung !

Die Christengemeinschaft hat unter sieben Sakramenten das Sakrament der letzten lung (!), das nur dem Sterbenden gespendet wird.

5. Der Amtstrger der Christengemeinschaft - der Pfarrer (es gibt auch weibliche Pfarrer) - wird mit seinem brgerlichen Namen angesprochen. Im Zweifelsfall erkundige man sich.

Er trgt einen schwarzen Talar, eine Alba, eine schwarze Stola, einen schwarzen Mantel und ein schwarzes Barett.

Bei der religisen Handlung hat der Amtstrger Ministranten als Assistenz.

6. Es gibt Besonderheiten, die von einer ortsblichen Trauerfeier nach christlichem Brauch abweichen:

- Der Verstorbene soll - wenn rechtliche Bestimmungen es zulassen - drei Tage im offenen Sarg aufgebahrt werden, und es soll nach Ablauf dieser drei Tage die Aussegnung erfolgen.

- Bei der Aufbahrung sind sieben echte Kerzen erwnscht.

- Es ist zu beachten, da der Amtstrger bei der religisen Handlung zu Fen des Verstorbenen steht. Der Raum unmittelbar vor dem Sarg soll deshalb von Krnzen und Blumengebinden freigehalten sein.

- Die Beistellung eines Kreuztrgers ist im allgemeinen nicht blich.

Bei der religisen Handlung werden Weihwasser und Weihrauch bentigt; dafr sorgt der Amtstrger.

Die religise Handlung besteht aus einem Ritual, das dem persnlichen Ermessen des Amtstrgers berlassen ist und jedenfalls das Vaterunser einschliet, und aus einer Predigt.

Als Rahmen der religisen Handlung sind - die Zustimmung der Angehrigen vorausgesetzt - dem Anla entsprechende Musikstcke oder Gesnge erwnscht.

Weltliche Redner sollen vor oder nach der religisen Handlung zu Wort kommen.

Bei Zweifel ber Wesen und Ablauf dieser Trauerfeier ist die Meinung des Amtstrgers einzuholen; sie ist magebend.

7. Die Christengemeinschaft erlaubt die Erd- und die Feuerbestattung.

Die Feuerbestattung ist jedoch aus religisen Grnden fr Menschen, die durch eigene Tat aus dem Leben schieden, ausgeschlossen.

8 . Eine Menschen-Weihehandlung wird an einem Samstag nach der Bestattungsdurchfhrung als Weihehandlung fr den Verstorbenen gefeiert. Der Samstag ist der Tag der Grabesruhe Jesu Christi und durch seinen sabbatartigen Charakter des Ruhens und Betens dafr spirituell geeignet. Ort und Termin sind mit der Christengemeinschaft zu vereinbaren.

9. Das Entgelt fr den religisen Beistand wird zwischen der Christengemeinschaft und den Angehrigen intern geregelt.

Die Christengemeinschaft - Bewegung fr religise Erneuerung - hat ihren Sitz in 1060 Wien, Mariahilfer Strae 49, Tel.: (1) 587 12 87

In sterreich bestehen Gemeinden der Christengemeinschaft in Graz, Linz, Salzburg und Wien.




 

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